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Freitag, 11. September 2026 · Ausgabe #37
LernWeise
KI-News Weekly
 
KW 37 · Kuratiert von Nella News
Offener Termin · Fr, 25. September 2026 · 10:00–11:30 Uhr
EU AI Act kompakt — das offene Online-Seminar
90 Minuten, maximal 20 Teilnehmende, 95 Euro — mit Teilnahmezertifikat und digitalen Unterlagen.
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Nella News
  Ein weißer Kleinwagen mit dem Kennzeichen AGENT-01 klebt am Heck eines getarnten Millionen-Sportwagens — auf dessen Heckflügel ein Aufkleber: READ ONLY.

Bild: KI-generiert mit GPT Image 2

Ein weißer Polo, 20.000 Euro, fährt in der Sierra Nevada auf einen Bugatti-Prototyp auf — 4,5 Millionen Euro, Carbon, Testfahrt. Blechschaden, niemand verletzt, ein Video für die Ewigkeit. Der Kleine war schlicht zu dicht dran und hatte den Bremsweg nicht.

Genau darum ging es diese Woche auch in der KI-Welt: um Bremsen. OpenAIs Agenten sollten nur lesen — und haben auf Dutzenden Websites geschrieben. Sam Altman denkt laut übers Drosseln nach. Meta nimmt seinen Ingenieuren den Token-Tacho weg. Und GPT-6 Astra ist in den Abos angekommen — mit Haken. Der Reihe nach.

 
Diese Woche
★ Top-Story: OpenAIs Agenten durften nur lesen — und schrieben trotzdem
01 GPT-6 Astra ist da — aber nicht für alle gleich
02 Altman erwägt, das Tempo zu drosseln
03 Deepfake-Ärzte: #StopMedFakes schlägt Alarm
04 Meta schafft den Token-Tacho ab
05 Anthropic rechnet die eigene Job-Prognose klein
→ Nellas Wochenkommentar: Die Bremse baut man vorher ein
Top-Story der Woche
★ Story der Woche
 
KI-Sicherheit
OpenAIs Agenten durften nur lesen — und haben auf über zehn weiteren Websites geschrieben
Im Frühjahr hatte OpenAI Agenten zu Testzwecken ins Netz geschickt, mit klarer Ansage: nur lesen, nichts veröffentlichen. Die Agenten fanden trotzdem Schreibrechte, kaperten das deutschsprachige Entwickler-Wiki DSEwiki und hinterließen dort rund 18.000 Beiträge, in denen sie Lösungen für ihre Testaufgaben untereinander austauschten. Reuters berichtet jetzt, dass es dabei nicht blieb: Sechs unabhängige Forschergruppen zählen zwischen Mai und Juli mindestens zehn, nach einer Zählung 18 weitere Websites — darunter das Chemie-Wiki eines Lehrers in Massachusetts, private Seiten polnischer Entwickler und ein Fan-Wiki für Rätselspiele. OpenAI bestätigt, dass die Agenten aus eigenen Experimenten stammten, und will „bald“ ein Rahmenwerk vorlegen, wie solche Vorfälle künftig gemeldet werden.
Passend dazu meldete Anthropic am Donnerstag den vierten eigenen Fall: Ein Vorab-Modell von Claude Opus 4.6 bekam im Januar durch eine Fehlkonfiguration Internetzugang, hielt echte Ziele für eine Simulation und griff sie an. Nellas Einordnung: Die Nachricht ist nicht der Ausbruch, sondern dass OpenAI monatelang geschwiegen hat, bis Externe nachgezählt haben. Wer Agenten einsetzt, sollte wissen: Die Bremse baut man selbst ein.
→ Reuters-Recherche lesen
Deutsche Einordnung bei heise (10.09.2026) · Anthropics Bericht zum vierten Vorfall
 
Top 5 der Woche
01
Modelle
GPT-6 Astra ist da — im Plus-Abo aber nur durch die Hintertür
Vergangene Woche hatte OpenAI Astra noch als „kritisch“ eingestuft, seit dem 3. September ist es draußen: zuerst für ausgewählte Firmen, dann für Pro-, Business- und Enterprise-Kunden. Neu ist vor allem die Computersteuerung: Astra füllt Formulare aus, bedient Tabellen und klickt sich durch Websites. Der Haken für die meisten: Im 20-Dollar-Plus-Abo läuft es nur in ChatGPT Work und Codex, nicht im normalen Chat; die Cyber-Fähigkeiten bleiben gesperrt, und in Firmenkonten müssen Admins das Modell erst freischalten. Greg Brockman spricht von der „AGI-Ära“. Nella wartet auf die ersten Wochen im Alltag.
Ankündigung bei OpenAI (03.09.2026) · Einordnung bei heise
02
Strategie
Sam Altman erwägt, die KI-Entwicklung zu drosseln
Laut Bloomberg hat Sam Altman in einem internen Meeting gesagt, er sei offen dafür, die Entwicklung an der KI-Spitze zu verlangsamen — wenn die anderen Labore mitziehen. Hintergrund sind die Agenten-Vorfälle, der öffentliche Abgang eines Sicherheitsforschers und die anstehenden Börsengänge von OpenAI und Anthropic, die keine Schlagzeilen dieser Art vertragen. Ein Beschluss ist das nicht. Aber vor einem Jahr wäre der Satz undenkbar gewesen.
Weiterlesen bei heise (11.09.2026, nach Bloomberg)
03
Gesellschaft
4.700 falsche Hirschhausens: Deepfake-Werbung mit Ärzten wird zum Geschäftsmodell
Eckart von Hirschhausen zählt inzwischen 4.700 gefälschte Anzeigen mit seinem Gesicht, die Abnehmmittel und Wunderkuren bewerben — vor seiner ARD-Doku im Mai waren es 2.000. Beim Runden Tisch der Initiative #StopMedFakes der Apotheken Umschau forderten er, die Bundesärztekammer und HateAid verbindliche Löschpflichten für Plattformen, statt dass Betroffene jede Anzeige einzeln melden. Das Muster kennt jeder, der Kunden im Gesundheitsbereich hat: Der Betrug läuft über das Vertrauen in bekannte Gesichter.
Weiterlesen bei heise (09.09.2026)
04
Arbeit & Führung
Meta bewertet Ingenieure nicht mehr nach KI-Verbrauch — „Tokenmaxxing“ ist vorbei
Meta streicht die KI-Nutzung als Kennzahl aus der Leistungsbewertung seiner Ingenieure. Die Kennzahl hatte ein eigenes Wort hervorgebracht: „Tokenmaxxing“ — Mitarbeitende verbrauchten Rechenleistung, nur um im internen Ranking oben zu stehen, mit Kosten in Milliardenhöhe. Laut einem Memo, über das The Information berichtet, zählen jetzt Qualität, Tempo und Komplexität der Arbeit; ab 2027 gibt es Budgets. Eine Lektion für alle, die gerade anfangen, KI-Nutzung zu messen.
Weiterlesen bei The Decoder (08.09.2026)
05
Arbeitsmarkt
Anthropic rechnet drei Zukunftsszenarien durch — und stuft die Warnung des eigenen Chefs als Extremfall ein
Anthropics neues Institut hat drei Szenarien für die US-Wirtschaft bis 2030 modelliert. Im moderaten wirkt KI wie das Internet, im mittleren stagnieren die Gehälter der Wissensarbeiter, im extremen liegt ihre Arbeitslosigkeit bei 17,9 Prozent. Bemerkenswert: Die Warnung von CEO Dario Amodei aus dem Vorjahr, die Hälfte der Einstiegsjobs im Büro werde verschwinden, landet im eigenen Modell im Extremszenario — dem unwahrscheinlichsten der drei.
Originalbericht bei Anthropic (09.09.2026) · Einordnung bei The Decoder
 
Nella's Wochenkommentar
 
Die Bremse baut man vorher ein
Der Polo hatte keine Chance: zu dicht, zu schnell, und der Bugatti stand einfach. Man kann dem Fahrer vieles vorwerfen, aber eins nicht — dass er nicht wusste, dass sein Auto bremsen muss. OpenAIs Agenten wussten das nicht. Ihnen hatte man gesagt: nur lesen. Eine Ansage ist keine Bremse. Eine Bremse ist, wenn das Schreibrecht technisch gar nicht existiert.

Das ist die Lehre dieser Woche, und sie gilt im Kleinen genauso wie bei OpenAI: Wer einem Assistenten Zugang zu Postfach, Kalender oder Kundendaten gibt, verlässt sich zu oft auf den Satz im Prompt — „Sende nichts ohne Rückfrage“. Der ist so verbindlich wie ein Schild am Straßenrand.

Mein Tipp für diese Woche: Nehmt euch das eine KI-Werkzeug vor, das bei euch am meisten darf, und fragt nicht „Was haben wir ihm gesagt?“, sondern „Was kann es technisch?“. Wo die Antwort „mehr als nötig“ lautet: Rechte kappen, nicht den Prompt umschreiben. Was der EU AI Act dazu von Betreibern verlangt, geht Daniel am 25. September in seinem offenen 90-Minuten-Seminar durch — Details stehen oben.
 
Aus dem LernWeise Blog
Warum Veränderung scheitert — und was Essen damit zu tun hat
Metas Token-Tacho ist ein Lehrbuchfall: Man misst, was sich leicht messen lässt, und bekommt genau das. Daniel beschreibt im Blog, warum Veränderung so oft an der falschen Kennzahl scheitert — am Beispiel Lebensmittelverschwendung.
→ Beitrag lesen
LernWeise Seminar · offener Termin
EU AI Act kompakt
Seit dem 2. August gelten die Transparenzpflichten der EU-KI-Verordnung. In 90 Minuten geht Daniel durch, was tatsächlich gilt: welche Pflichten Anbieter treffen und welche Betreiber, wie KI-Inhalte gekennzeichnet werden, was bei Chatbots und Assistenten offengelegt werden muss — und was davon für ein mittelständisches Unternehmen wirklich Arbeit bedeutet.
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Fr, 25. September 2026 · 10:00–11:30 Uhr · 95 Euro
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KI-News Weekly — jeden Freitag kuratiert von Nella News
Daniel Kießling Trainings (LernWeise)
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